Archiv // Dokumentation zum Verfahren wegen der Gedenktafel für Samuel Yeboah
Saarbrücken 12.03.02
Rassismus, Neonazis und Staatliche Politik - unter diesem Motto findet am 15. März 2002 in Saarlouis/Fraulautern eine Informations- und Diskussionsveranstaltung statt. Beginn ist 19:00 Uhr!
"Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft in Saarlouis", lautete die Meldung am 19.09.1991 in der Tagesschau. Was war passiert? In der Nacht zum 19. September gab es einen rassistischen Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in Saarlouis Fraulautern, bei dem Samuel Yeboah, Flüchtling aus Ghana starb und weitere Menschen schwer verletzt wurden. Dieser Übergriff stellte den Auftakt zu einer Welle von Brand und Bombenanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland dar. Samuel Yeboah war eines der ersten Todesopfer rassistischer Gewalttaten in Westdeutschland nach der Wiedervereinigung. Dieser Mord war das Ergebnis erstarkender Neonaziaktivitäten in Deutschland, die im Saarland mit Saarlouis ihren Schwerpunkt hatte. Nach dem Mord konnte sich die regionale Naziszene in Saarlouis weiter organisieren und ihre Struktur ausbauen. Die Entscheidungsträger der Stadt waren stehts bemüht dieses "Problem" zu bagatellisieren, kritische AntifaschistInnen mundtot zu machen und Saarlouis weiterhin als gast- und ausländerfreundliche Stadt zu präsentieren.
Jüngstes Beispiel für diese Politik der Verdrängung ist der Umgang der Stadt mit einer Gedenktafel für Samuel Yeboah, welche entfernt und trotz mehrerer Aufforderungen nicht mehr angebracht wurde. Dennoch: Trotz aller Besonderheiten ist die Situation von Saarlouis nicht von der gesamt gesellschaftlichen Entwicklungen zu trennen. Das Antifaschistische Bündnis Saar möchte mit dieser Veranstaltung sowohl die Situation in Saarlouis thematisieren wie auch auf die nach dem 11. September einher gehenden repressiven Veränderungen und deren Auswirkungen für die hier lebenden Flüchtlinge und MigrantInnen eingehen.
Die Veranstaltung wird sich in 2 Teile gliedern.
Den ersten Teil der Veranstaltung übernimmt die ANTIFA SAAR. Eine wie der Name schon sagt aus dem Saarland kommende unabhängige antifaschistische Gruppe, die seit einigen Jahren im antifaschistisch aktiv ist und schon mehrere Veranstaltungen in Schulen, Jugendzentren usw. zu diesem Thema durchgeführt hat. Die ANTIFA SAAR wird in ihrem Vortrag, welcher durch einen DIA-Beitrag unterstützt wird auf die regionalen Nazistrukturen sowie auf den Umgang der öffentlichen Stellen mit diesen Strukturen eingehen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung referiert Serhat Karakayali von der MigrantInnenorganisation KANAK ATTAK. KANAK ATTAK definiert sich selbst als "selbstgewählter Zusammenschluß verschiedener Leute über die Grenzen zugeschriebener, quasi mit in die Wiege gelegter "Identitäten" hinweg. Kanak Attak fragt nicht nach dem Paß oder nach der Herkunft, sondern wendet sich gegen die Frage nach dem Paß und der Herkunft. Unser kleinster gemeinsamer Nenner besteht darin, die Kanakisierung bestimmter Gruppen von Menschen durch rassistische Zuschreibungen mit allen ihren sozialen, rechtlichen und politischen Folgen anzugreifen".
Serhat Karakayali referiert über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland und deren Konfrontation mit alltäglichem Rassismus und thematisiert den so genannten "Aufstand der Anständigen" im Sommer 2000.
Die Veranstaltung beginnt am 15.03.02 um 19:00 Uhr im Vereinshaus Fraulautern in Saarlouis/Fraulautern, Saarbrücker Straße 5
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