Archiv // Dokumentation zum Verfahren wegen der Gedenktafel für Samuel Yeboah
Saarbrücken und Saarlouis, 30. Oktober 2001
Presseerklärung
Mehr als 20 Gruppen und Einzelpersonen unterstützen einen Offenen Brief an Saarlouiser Oberbürgermeister Fontaine (CDU). Ihre Forderung: Die Gedenktafel für Samuel Yeboah soll wieder am Saarlouiser Rathaus angebracht werden, wo sie am 19. September auf Veranlassung von OB Fontaine entfernt wurde. Mittlerweile ermittelt sogar der Staatsschutz des Landeskriminalamts in dieser Angelegenheit: Das Anbringen der Gedenktafel soll Sachbeschädigung sein.
Zur Vorgeschichte: Samuel Yeboah, politischer Flüchtling aus Ghana wurde am 19. September 1991 durch einen rassistischen Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Saarlouis-Fraulautern ermordet. Anlässlich seines 10. Todestages fand in der Saarlouiser Innenstadt eine antifaschistische Kundgebung von mehr als 150 Menschen statt. Im Anschluss daran wurde eine Gedenktafel am Saarlouiser Rathaus angebracht. Noch am gleichen Abend wurde diese auf direkte Veranlassung des Oberbürgermeisters Hans-Joachim Fontaine (CDU) entfernt. Begründung: Es läge keine Genehmigung vor.
In einem Offenen Brief haben sich jetzt mehr als zwanzig Gruppen und Einzelpersonen direkt an Oberbürgermeister Fontaine und die Fraktionen im Saarlouiser Stadtrat gewandt. Darin fordern sie den Saarlouiser Oberbürgermeister auf, die von ihm entfernte Gedenktafel für Samuel Yeboah dort wieder anzubringen, wo sie am 19. September auf seine Veranlassung hin entfernt wurde.
Das Antifaschistische Bündnis erklärte dazu: "Mit dem Anbringen der Gedenktafel wollten wir ein Zeichen setzen wider das Vergessen. Gerade in Saarlouis, wo nach wie vor Nazischmierereien und faschistische Übergriffe durch Neonazis an der Tagesordnung sind. Die Verantwortlichen in Saarlouis hatten zehn Jahre Zeit, aber nichts haben sie getan, um die Erinnerung an dieses rassistische Verbrechen wachzuhalten. Manche scheinen sich sogar zu wünschen, dass endlich Gras über die Sache wächst. Deswegen haben wir gehandelt, auch ohne Genehmigung."
Nicht nur, dass diese Tafel entfernt wurde, mittlerweile ermittelt auch der Staatsschutz in Sachen Gedenktafel. Am 15. Oktober erhielt der Anmelder unserer Kundgebung vom 19. September eine Vorladung ins Landeskriminalamt (LKA-Sachgebiet 341). Grund: Sachbeschädigung und Gemeinschädliche Sachbeschädigung.
Das spricht für sich: Statt öffentlicher politischer Auseinandersetzung wird Leuten mit staatlicher Sanktion gedroht. In diesem Zusammenhang sei an das Saarbrücker Mahnmal gegen Rassismus erinnert. Im Sommer 1990 begannen Jochen Gerz und Studenten der Hochschule der bildenden Künste Saar mit der Umsetzung ihrer Idee. Ohne Auftrag und Genehmigung. Der Saarbrücker Stadtverband stimmte erst später zu und "legalisierte" so das Projekt im Nachhinein.
Fazit: An unserer Gedenktafel gibt es nichts wirklich auszusetzen. Ihren Inhalt sollten auch CDU, SPD und Grüne mit tragen können. Sie ist schlicht gestaltet und kostet obendrein die Stadt keine Müde Mark. Die Verantwortlichen in Saarlouis hätten also genauso gut Danke sagen können und fertig! Statt dessen beginnt sich die Auseinandersetzung um die Tafel zu einer Provinzposse zu entwickeln. Aber ohne uns! Wir werden weder zulassen, dass der Tod eines Flüchtlings für das eigene Image instrumentalisiert wird, noch dass dahinter die aktuellen Aktivitäten der Saarlouiser Neonazi-Szene in Vergessenheit geraten. Und auch dem Versuch unsere Initiative im Nachhinein zu kriminalisieren, werden wir offensiv entgegen treten.
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