Archiv // Dokumentation zum Verfahren wegen der Gedenktafel für Samuel Yeboah
Saarbrücken und Saarlouis, 25. September 2001
Presseerklärung zum Anbringen einer Gedenktafel am Saarlouiser Rathaus in Erinnerung an die Ermordung Samuel Yeboahs und das Entfernen der Tafel durch den Saarlouiser Oberbürgermeister
In Erinnerung an die Ermordung Samuel Yeboahs am 19. September 1991 durch einen rassistischen Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Saarlouis-Fraulautern führten wir zum 10. Todestag eine Kundgebung in der Saarlouiser Innenstadt durch. Im Anschluß daran brachten wir eine Gedenktafel am Saarlouiser Rathaus an. Am gleichen Abend noch wurde diese Gedenktafel auf direkte Veranlassung des Oberbürgermeisters Hans-Joachim Fontaine (CDU) wieder entfernt.
Die Gedenktafel hat eine Größe von ungefähr 30 mal 40 cm. Sie wurde von einem Steinmetz in Sandstein gehauen und entsprechend professionell am Rathaus direkt neben dem Haupteingang fixiert.
Die Entscheidung des Oberbürgermeisters beweist erneut, dass es in Saarlouis ein kaltes Vergessen gibt. Saarlouis will sich nicht erinnern. Weil es nicht ins Bild paßt, weil es schädlich fürs Image ist. Seit 10 Jahren gilt: Niemand und nichts erinnert an Samuel Yeboah, während zum Beispiel gleichzeitig vieles in Saarlouis an den Rassisten und erklärten Anti-Demokraten Lettow-Vorbeck erinnert. Auch das ist eine Entscheidung. Sogar eine hochoffizielle, denn schließlich ist Lettow-Vorbeck seit 1956 Ehrenbürger der Stadt.
Der Mord vom 19. September 1991 stand und steht bis heute im Kontext einer allgemeinen reaktionären und rassistischen Mobilmachung in diesem Land. 20.000 DM waren seinerzeit als Belohnung ausgesetzt, aber kein einziger (!) Hinweis ging ein. Auch das sagt etwas aus über das Klima einer Stadt, die sich selbst gern als ausländerfreundlich und weltoffen präsentiert.
Offensichtlich interessiert es in Saarlouis nur wenige Leute wirklich, und die meisten scheinen sich zu wünschen, daß endlich Gras über die ganze Angelegenheit wächst: So als hätte der Mord an Samuel Yeboah gar nicht stattgefunden. Die Linie der Stadt ist die Behauptung eines Normalzustands gegen das, was in Saarlouis offensichtlich ist: Nazischmierereien, faschistische Übergriffe, organisierte Neonazis.
Schweigen und Vertuschen bedeutet das Auslöschen der Erinnerung. Die Konsequenz daraus ist tödlich. Um genau dagegen zu protestieren, haben wir als kleine Geste der Erinnerung den Gedenkstein am Saarlouiser Rathaus angebracht.
Wir erwarten, dass die Verantwortlichen der Stadt Saarlouis ihre Entscheidung rückgängig machen und den Gedenkstein wieder am Saarlouiser Rathaus anbringen. Nicht irgendwo, sondern genau dort, wo sie ihn am 19. September entfernt haben.
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