Archiv // Presse // Presseartikel zum Naziübergriff in Losheim am 08.Juni.2005
Schläger-Duo foltert vier Stunden lang zwei junge Losheimer
18-jährige Opfer mussten Peiniger die Füße küssen - Mutmaßliche Täter sitzen in Haft
Zwei 25 Jahre alte Männer haben zwei Jugendliche aus Losheim vier Stunden lang gequält und beschimpft. Die beiden mutmaßlichen Täter sitzen mittlerweile in Saarbrücken in Haft.
Wadern. Todesangst haben zwei 18-jährige Losheimer am Mittwochabend durchlitten. Wie die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung gestern mitteilte, wurden die Jugendlichen in einer Wohnung im Waderner Stadtteil Dagstuhl vier Stunden lang misshandelt und gedemütigt. Zwei 25 Jahre alte, betrunkene Männer traten und schlugen fortwährend auf die Wehrlosen ein. Einer der beiden Gefangenen wurde laut Polizeiangaben durch einem Biss im Gesicht verletzt. Der andere bekam einen Glasdeckel auf den Kopf, den ein Angreifer mit der Faust zerschlug. Wie die Opfer der Polizei schilderten, sei im Hintergrund Propaganda-Musik aus dem Dritten Reich gelaufen. Die ständig beschimpften jungen Losheimer mussten sogar die Füße des einen Folterers küssen, während der andere das grausame Geschehen mit einer Digitalkamera festhielt. Danach schleppten die Peiniger ihre Opfer noch in die einzige Kneipe des Dorfes. Dort sollten die Blut überströmten Jugendlichen erklären, sie seien von Ausländern am Merziger Bahnhof derart zugerichtet worden. Und sie sollten sagen, dass die 25-Jährigen sie gerettet hätten. Außerdem drohten ihnen die beiden Täter: Nur ein Wort zur Polizei und sie müssten sich auf die "übelsten Konsequenzen" gefasst machen, heißt es im Polizeibericht.
Von der Kneipe aus gelang den Opfern die Flucht. Anschließend verständigten sie doch die Polizei. In der Waderner Klinik wurden ihre Prellungen und Schnittwunden behandelt. Eine komplette Aussage konnten die jungen Männer erst am nächsten Tag auf der Wache machen. Zu tief saß noch das Trauma dieses Abends.
Die beiden Opfer hatten die 25-Jährigen bei einem gemeinsamen Bekannten in Losheim-Wahlen kennen gelernt. Als es dort zu Auseinandersetzungen gekommen war, hatten die beiden 18-Jährigen den Streit schlichten wollen und angeboten, ihre späteren Peiniger nach Dagstuhl in die Wohnung des Hauptverdächtigen zu bringen. Der zweite Angreifer aus Losheim fuhr mit. Er stellte sich am Samstagvormittag nach Absprache mit seinem Anwalt der Polizei. Nur kurze Zeit nach der Tat, in der Nacht zu Donnerstag, war der Hauptverdächtige aus Dagstuhl, der aus Weiskirchen stammt, auf der Waderner Wache aufgetaucht und hatte gebeichtet. Beide sitzen jetzt in Saarbrücken im Gefängnis.
Es war nicht das erste Mal, dass die beiden 25-jährigen Angreifer wegen ihrer Brutalität aufgefallen sind. Sie sind "wegen Gewaltdelikten erheblich vorbestraft". Am 20. Mai mussten Polizisten aus Lebach, Türkismühle, St. Wendel und Wadern den Hauptverdächtigen überwältigen. Er hatte zuvor mit seinem Komplizen einem Mann eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Bei der Festnahme wehrte sich der 25-Jährige derart, dass drei Beamte verletzt wurden. hgn/red
Quelle: Saarbrücker Zeitung, 13.06.05
Dagstuhl: Keine Tat von Neonazis
Der Angriff von zwei 25-Jährigen auf zwei 18-Jährige am Mittwoch in Dagstuhl ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft keine Tat von Neonazis gewesen.
Staatsanwalt Weyand sagte dem SR, einer der inzwischen in Haft sitzenden Verdächtigen habe möglicherweise rechtsradikale Einstellungen. Bei den beiden handele es sich aber um "üble Schläger", die im vergangenen Jahr mehrere Körperverletzungen begangen hätten.
Sie waren festgenommen worden, nachdem sie die beiden jungen Männer misshandelt und gedemütigt hatten. Beide Opfer wurden in einer Klinik behandelt.
Quelle: http://www.sr-online.de/nachrichten/30/381018.html
Hatten Schläger doch rechtsradikale Motive?
SPD kritisiert Staatsanwalt
Saarbrücken. Die SPD-Landtagsfraktion hat gestern Oberstaatsanwalt Raimund Weyand vorgeworfen, den rechtsradikalen Hintergrund bei der Folterung zweier Jugendlicher vom Wochenende in Wadern-Dagstuhl zu verharmlosen. Wie die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Cornelia Hoffmann-Bethscheider gestern der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage erklärte, seien auf Fotos, die in der Wohnung der Täter gemacht worden seien, eindeutig rechtsradikale Symbole zu erkennen. "Die Bilder lügen nicht", sagte Hoffmann-Bethscheider. Der Innenausschuss hatte sich demnach gestern bei einem Besuch des Landesverfassungsschutzes mit der Tat beschäftigt.
Zwei 18-jährige waren nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei am Mittwoch vergangener Woche von zwei 25-jährigen vier Stunden lang brutal gequält worden. Während der Folterungen sei Propaganda-Musik aus dem Dritten Reich abgespielt worden, hieß es.
"Ich fordere vom Oberstaatsanwalt Weyand eine klare Stellungnahme dazu, warum er bereits einen Tag nach der Veröffentlichung der Tat ausgeschlossen hat, dass es einen rechtsradikalen Hintergrund gibt" kritisierte Hoffmann-Bethscheider. "Eine derartige Tat darf nicht heruntergespielt werden, um möglicherweise bei der Statistik über rechte Gewalt glänzen zu können", fügte die SPD-Politikerin hinzu.
Oberstaatsanwalt Weyand reagierte auf die SPD-Vorwürfe gestern mit der Feststellung gegenüber unserer Zeitung, dass "nicht jede Tat eines Rechtsradikalen einen rechtsradikalen Hintergrund hat". Das Aufhängen der Reichskriegsflagge in Privatwohungen ist nicht strafbar, fügte Weyand hinzu. Der Oberstaatsanwalt berichtete weiter, dass einer der beiden derzeit in Untersuchungshaft sitzenden mutmaßlichen Täter in seinem Vorstrafenregister auch eine Geldstrafe wegen des Tragens von einem rechtsradikalen Symbol aufweise.
dik/mju
Quelle: Saarbrücker Zeitung, 17.06.05
|